![]() Dürmentingen |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Dürmentingen (569 m über NN) liegt am Fuße des Bussens, das Wahrzeichen und auch der heilige Berg Oberschwabens. Von Westen bis Südosten wird es umschlossen von einem breiten Waldgürtel. Der Ortskern befindet sich in einer Talmulde, die sich nördlich zum Donautal hin öffnet. Durch den Ort fließt die Kanzach, die aus dem Federsee bei Bad Buchau entspringt und in die Donau bei Riedlingen-Daugendorf mündet. GeschichteDer Ort wurde seit dem 9. Jahrhundert als Vogtei erwähnt. Im 10. Jahrhundert tauchte erstmals die Bezeichnung Tiermundtinga auf. Bereits im 13. Jh. umfasste die damalige Pfarrei Dürmentingen mehrere Orte wie Bischmannshausen, Göffingen und Seelenhof. Aus der Überlieferung erfahren wir, daß die dem Kloster Reichenau geschenkte Pfarrkirche um die Zeit 1273 wieder zurückgegeben worden war und vermutlich wieder unter weltlicher Herrschaft stand. Im 15. und 16. Jahrhundert war Dürmentingen der Herrschaftssitz der Truchsessen. König Rudolf aus dem Hause Habsburg ging im Jahre 1273 nach seiner Wahl daran, die neu gewonnene Hausmacht auszubauen. So erwarb er von den Grafen Veringen ein Gut in Dürmentingen. Um 1306 übten die Habsburger in Dürmentingen Zwang und Bann aus, hielten Gericht über Dieb und Frevel, erhoben Steuern und hatten das Vogtrecht über den noch dem Kloster Reichenau in Dürmentingen verbliebenen Besitz.Im 14. Jh haben die Habsburger ihre Erwerbungen verpfändet und verkauft. Auf diese Weise gelangte die Ortsherrschaft Dürmentingen im Jahre 1452 in die Hände des Adelsgeschlechts der Truchsessen. Seit 1552 hatte Truchsess Karl seinen Sitz in Dürmentingen. Er verwendete den alten Pfarrhof, von dem wir nur nicht wissen, wo er sich befand, zur Erweiterung seines Schlosses. Auch das Wasser zu Dürmentingen war seit 1553 truchsessisch. Der Besitz der Truchsessen wurde von den Habsburgern lange Zeit angefochten. Denn diese hielten daran fest, daß es nur eine Pfandschaft und kein Eigentum der Truchsessen sei.Es war bereits 1585 eine Schule in Dürmentingen. Im frühen 16. Jahrhundert gab es meist erst in Städten wie Riedlingen und Buchau Schulen. Die Not und Härte des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) hat auch Dürmentingen schwer getroffen. Bisher war Dürmentingen eine aufstrebende Gemeinde, gefordert durch den Herrschaftssitz der Truchsessen. Die Dürmentinger Bauern hatten sogar eine "Badstube" im Dorf, dessen Besuch zu ihrer regelmäßigen Gepflogenheit gehörte. Nach dem Bad schloss sich dann jeweils für Männer und Frauen ein "Weitrunk" im Wirtshaus an. Die Entwicklung des 30-jährigen Krieges war auch die Ursache für das Ende der friedlichen Entwicklung des Herrschaftssitzes Dürmentingen. Herrschaft und Volk wurden in gleicher Weise hart getroffen. Am 1. Oktober 1635 klagte der Truchsess Wilhelm Heinrich über das Aussterben seiner Dörfer wie Dürmentingen, Heudorf und Hailtingen durch Hunger, Krieg und Seuche, wo nur noch 5 bis 6 Mann am Leben seien. Aus dieser Zeit stammt auch das "Armenhaus", früher nannte man es auch "Leprosen- oder Gutleutehaus" und daher von der Siedlung abgelegen. An dessen Garten in der Nähe einer alten Linde stehen zwei Kreuzsteine, die auf eine ehemalige Richtstätte hinweisen sollen. Das frühere Amtshaus war im späteren "Gasthaus zum Löwen". Die Gaststube war ein durch Schranken geteiltes Gerichtslokal.In welche Verwirrung diese Not unsere Vorfahren damals hineingezogen hat, ermessen wir aus der Überlieferung, daß in Dürmentingen 1655 und noch 1747 Hexenverbrennungen stattgefunden haben. Erst die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg brachte der Gemeinde wieder einen langsamen Aufstieg. Nach schriftlichen Angaben war 1693 die Bevölkerung wieder auf 400 angestiegen. 1786 fiel Dürmentingen an das Haus Thurn und Taxis, 1806 an Württemberg. Im 19. Jh. trat an die Stelle der adligen Herrschaften in Dürmentingen das Streben nach einer bürgerlichen Selbstverwaltung. 1810 wurde der württembergische Teil von Burgau nach Dürmentingen eingemeindet. Um die Wende des 20. Jh. zeigt sich eine erneute Zunahme der Bevölkerung, die wie in früherer Zeit die wichtigste Erwerbsquelle in der Landwirtschaft fand. Der erste Ansatz einer beginnenden Industrie bietet keine Überraschung: Die Wasserkraft der Kanzach wurde von den beiden Mühlen genutzt, davon eine mit Elektrizitätswerk, welche den Ort Dürmentingen und Heudorf mit Licht und Kraft versorgte und diese bildeten so mit ihrer eigenen Stromversorgung die ersten Industriebetriebe des Ortes. Um 1920 gab es in Dürmentingen auch zwei Gasthäuser und vier Schankwirtschaften, drei Branntweinbrennereien und sechs Kramläden.
Dürmentingen - Geschichte in Jahreszahlen
Das Gemeindewappen:Die Gemeinde hat auf ein in einem alten Siegel entdecktes Wappen zurückgegriffen, das angeblich von der waldburgischen Verwaltung Dürmentingen geführt worden ist. Obwohl die Gemeinde nicht die waldburgischen Farben annahm, sollen die Löwen auf die engen historischen Beziehungen der meisten Ortsteile zu den Truchsessen von Waldburg hinweisen. Die Löwen finden sich auf dem Wappen wie folgt wieder: Im oberen Teil des Wappens in Grün ein stehender (heraldisch) linksgewendeter golderner Löwe, unten in Gold ein stehender, rechtsgewendeter Löwe. Unsere Flagge zeigt die Grundfarbe Grün - Gelb. Nach dem 2. Weltkrieg haben die Dürmentinger Gewerbebetriebe ein enormes Wachstum erfahren, so daß im Ort etwa 1000 Arbeitsplätze vorhanden sind mit einem durchschnittlichen jährlichen Gewerbesteueraufkommen von ca. 2,5 Mio. DM. Das überdurchschnittliche Gewerbeaufkommen mit den damit verbundenen Ausbildungsplätzen, die steigende Einwohnerzahl und der Einsatz von Verwaltung, Lehrerschaft und Bürgerschaft führte zum Erhalt der Grund- und Hauptschule Dürmentingen. Zur Zeit sind an dieser Schule Schüler aus Hailtingen, Heudorf, Betzenweiler und Dürmentingen. Der Paritätische Wohlfahrtverband hat in einer ehemaligen Fabrikantenvilla eine Mutter-Kind-Kureinrichtung, das Haus Schwabenland, eingerichtet. Hier werden Frauen mit bis zu 3 Kindern bis 14 Jahren aufgenommen, deren Gesundheitsstörungen durch physische, psychische und soziale Faktoren verursacht sind wie psychosomatische Erkrankungen, Erkrankungen der Verdauungsorgane, recidivierende Infekte der Atmungsorgane, reaktive Depressionen und als Rekonvaleszenz nach Operationen. So wird durch hausinterne Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen, Erzieher und physiotherapeutische Maßnahmen das körperliche und seelische Wohlbefinden optimiert. In den letzten Jahren wurde das Haus Schwabenland umfangreich an- und ausgebaut. Mit jährlich ca. 24.000 Belegungstagen hat sich diese Einrichtung mit 50 Mitarbeitern zu einem wichtigen Arbeitgeber im Dienstleistungsbereich etabliert. Die ärztliche Versorgung der Gemeinde ist gewährleistet. Zwei Fachärzte für Allgemeinmedizin und drei Zahnärzte praktizieren im Ort. Auch eine Praxis für Krankengymnastik und Ergotherapie, eine Massagepraxis sowie eine Orthopädie-Schuhwerkstatt befinden sich in Dürmentingen. Das Kreiskrankenhaus Riedlingen ist ca. 7 Kilometer entfernt und verkehrsgünstig seit dem Bau der Nordtangente nach Riedlingen über die L 275 zu erreichen. Das Sport- und Freizeitzentrum , das im Jahre 1983 fertiggestellt wurde, hat mit seinen Sportanlagen vor allen Dingen für die Schule große Bedeutung, da bis jetzt keine geeigneten Sportanlagen für den Schulsport vorhanden waren. Das Gelände ist ca. 5 ha. groß und beinhaltet 2 genormte Rasensportplätze, einen Kunststoffhartplatz mit Leichtathletikanlagen und eine 100 m Kunststoffbahn. Der Sportverein Dürmentingen hat sich dem Projekt der Gemeinde angeschlossen und erstellte auf eigene Kosten 2 Tennisplätze. Das Sportheim, welches in das "Sport- und Freizeitzentrum" integriert wurde, erstellte der Sportverein in Eigenleistung. Außerdem wurde im Zuge der Bauarbeiten ein kleiner See von ca. 1 200 qm angelegt, weil sich in diesem Gebiet früher große Weiheranlagen befanden. Für den Breitensport steht außerdem noch ein ca. 3,5 km langer Trimm-dich-Pfad im nahegelegenen Wald zur Verfügung. Der Zusammenschluss von Dürmentingen und des preußischen Teils Burgau im Jahre 1969 und von Hailtingen und Heudorf im Jahre 1974 hat dazu geführt, daß die Ortschaften noch enger zusammengewachsen sind. Die Hauptverwaltung befindet sich in Dürmentingen. Das Rathaus wurde 1932 erbaut und in den Jahren 1976/77 generalsaniert und auf die Bedürfnisse der neuen, größeren Gemeinde eingerichtet. Ortschaftsverwaltungen sind in Hailtingen und Heudorf. Politisch wird die Gemeinde verwaltet von einem hauptamtlichen Bürgermeister und 14 Gemeinderäten. Den Ortschaften Hailtingen und Heudorf stehen je ein Ortvorsteher und je 6 Ortschaftsräte vor. Dürmentingen ist auf einem geschichtlichen Boden gewachsen. Wir wollen uns auch jener erinnern, die einst vor Jahrhunderten die Grundlage für unsere heutige Gemeinde geschaffen haben. Sie, die Vorfahren, waren es ja, die Gemarkungen und Plätze ausgesucht, die darauf die ersten öffentlichen Gebäude und die Wohnhäuser gebaut haben. Die Dürmentinger Bürger haben durch allen Wechsel der Herrschaften und Besitzungen und durch alle politischen und kriegerischen Zeiten sich behauptet und ihren Nachfahren ein Grundeigentum und das Erbe der Arbeit und des Fleißes weitergegeben und schafften so die Grundlage für ein Zusammenleben, um ein einzel- und gemeindliches Wirken zu erhalten, was wir als "unsere Heimat" schätzen und lieben gelernt haben. Möge die Entwicklung der Gemeinde in einer friedlichen Zeit weiter vor sich gehen! Sehenswürdigkeiten:Pfarrkirche St. Johannes Evangeliststammt in Teilen von einer spätgotischen Anlage (Chor und Turm), die ein Bereich des Schiffes 1806 abgetragen und in klassizistischem Baustil erneuert und vergrößert wurde. 1962 wurde die Kirche in westlicher Richtung erweitert. Der Turm ist ein Viereckbau, darauf ein achteckiger Aufsatz mit Nischengliederung und eingezogener Haube. Gekröpfte Rundbogenfenster in Schiff und Chor, westlich ein großes buntes Fenster, 1962 von Wilhelm Geyer, Ulm, geschaffen. Holzbildwerke des 15. und 18. Jahrhunderts sind noch erhalten, Holzfiguren des Hl. Petrus und Johannes, beide 1500, stammen aus der Lorettokapelle. Die Lorettokapelle Dürmentingen1668 von den Truchsessen erbaut, bildete zusammen mit dem heute stark veränderten Mesnerhaus ursprünglich eine Eremitage, die bis 1756 bewohnt war. Hoher Rechteckbau mit stark profiliertem Gebälk, Satteldach und sechseckigem zwiebelgekröntem Dachreiter. Das Portal ist aus der Längswand hervortretend und durch Giebel und Pilaster betont. Innenraum tonnengewölbt, schöne Ausmalung als gefügter Ziegelbau. Ausstattung und Bilderschmuck 17. - 20. Jahrhundert (u.a. Epitaphgemälde aus der Pfarrkirche). Leprosenhausheute in Privatbesitz, vermutlich aus der Zeit des 30. jährigen Krieges. Das ehemalige Leprosenhaus steht in einiger Entfernung vom Dorf an der alten Straße nach Heudorf. An dessen Garten an einer alten Linde stehen 2 Kreuzsteine, die auf eine ehemalige Richtstätte hindeuten, die sich an diesem Platz befunden haben soll. Das frühere Amtshaus war im ehemaligen Gasthaus zum Löwen. Die Gaststube war ein durch Schranken geteiltes Gerichtslokal. In Dürmentingen sollen 1747 noch Hexenverbrennungen stattgefunden haben.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||