|
|
|
Dies ist ein weiteres
|
|
- Projekt in einer Gemeinschaft
|
|
der Gemeinde Dürmentingen
|
|
|
|
|
Bürgerschaftliches Engagement
in einer kleinen
|
|
oberschwäbischen Gemeinde
|
|
|
|
Die Vorgeschichte hört sich etwas
abenteuerlich an, und ist deshalb so spannend, weil
|
|
sich aus einer
absoluten Negativstimmung gegen Gemeindeverwaltung und Gemeinde-
|
|
rat eine
gegenläufige Entwicklung herbeiführen ließ. Im Jahre 1992 / 93 hatte der
neuge-
|
|
wählte Bürgermeister festgestellt, dass in der Gesamtgemeinde ein
Großteil an Wasser-
|
|
versorgungsbeiträgen nicht erhoben wurde. Dies führte
dazu, dass auf Grundlage einer
|
|
Globalberechnung die Beitragssätze
annähernd vervierfacht werden mussten und so
|
|
über viele Altfälle
Übergangsregelungen zu treffen waren.
|
|
Es formierte sich eine starke
Bürgerinitiative gegen die Gemeinde. Bei einer Bürgerver-
|
|
sammlung, bei der
700 Mitbürger der 2.500 Einwohner anwesend waren, wurde der Un-
|
|
mut der
Bürgerschaft deutlich. Die "Initiative Wasser", wie sie sich nannte,
formierte ei-
|
|
nen innerortlichen Widerstand, den die Verwaltung, der
Bürgermeister und der Gemein-
|
|
derat sehr hautnah zu spüren
bekamen.
|
|
Nachdem zur gleichen Zeit der Neubau der Schule erledigt war,
versuchte Bürgermeister
|
|
Wolfgang Wörner mit einigen Mitstreitern eine
Initiative für die Gemeinde ins Leben zu ru-
|
|
fen. Unter dem Motto
"Aktivurlaub mit dem Bürgermeister" wurde beim Dorffest und über
|
|
die
örtlichen Heimatnachrichten dazu aufgerufen, dass sich freiwillige
Mitstreiter zur Ge-
|
|
staltung des Schulhofes einfinden sollten. Der
Schulhofaktion war eine Planung voraus-
|
|
gegangen, in der Schüler in drei
Altergruppen ihre Ideen zur Neugestaltung einbrachten
|
|
und in einer
Kommission eine Bewertung durchgeführt und die besten Vorschläge prä-
|
|
miert
wurden.
|
|
Demonstrativ fuhr der Bürgermeister am ersten Arbeitstag mit
Schubkarre, Pickel und
|
|
Schaufel durch den Ort und siehe da, es fanden sich
wider Erwarten viele Freiwillige ein.
|
|
|
|
Das Projekt wurde mit Schülern,
Lehrern, Vereinen, Gruppierungen und Einzelpersonen
|
|
umgesetzt und anstatt
der ursprünglich bei Fremdleistung veranschlagten 120.000 DM
|
|
kostete der
Schulhof lediglich 30.000 DM.
|
|
|
Eine wesentliche Erfahrung war damals,
|
|
dass die Schüler den Schulhof nach
Ab-
|
|
schluss der Arbeiten als "ihren"
Schulhof
|
|
betrachteten und nicht als eine öffentliche
|
|
Einrichtung, die man
mehr oder weniger
|
|
lieblos benutzt. Durch diese Identifikation
|
|
ist der
Schulhof auch heute noch sehr an-
|
|
sehnlich, die Grünanlagen und die
Wasser-
|
|
flächen sind sehr gepflegt und ab und zu
|
|
kommt ein neues kleines
Highlight dazu,
|
|
wie z. B. die Bemalung von versch.
Spiel-
|
|
|
feldern im
Pausenhof.
|
|
Die Situation mit der Wassergenossenschaft entspannte sich,
indem der Gemeinderat
|
|
eine Kompromisslösung mehrheitlich beschloss. Alle
Altfälle wurden so erledigt und es
|
|
kehrte nach und nach wieder Frieden in
die Gemeinde ein.
|
|
|
|
Wiederum eine Beweis, dass "Not
erfinderisch macht!!!"
|
|
|
|
In den weiteren Jahren entwickelten sich
viele kleinere Ansätze zu Verbesserungen auf
|
|
Ortsebene. So wurden etliche
Biotope, ganz besonders mit Jugendgruppen bepflanzt.
|
|
Sämtliche
"verkehrsberuhigte Zonen" wurden durch Freiwillige bepflanzt und alle
Spiel-
|
|
plätze in der Gemeinde werden selbstverständlich von den Neubürgern
gebaut; oft-
|
|
mals der erste Berührungskontakt unter Nachbarn.
|
|
|
|
Die Projekte werden dabei teilweise von
|
|
Vereinen
inszeniert und so wie der
|
|
Schulhof auch manchmal von der Ver-
|
|
waltung.
Zwischenzeitlich hat sich erge-
|
|
ben, dass die Initiativen nicht nur in der
|
|
Umsetzung von Maßnahmen aktiv sind,
|
|
sondern sich auch Gedanken über die
|
|
Gemeindeentwicklung machen. Es wer-
|
|
den wesentliche Planungsansätze aus
|
|
der
Bürgerschaft gesetzt. So gibt es ei-
|
|
nen "Arbeitskreis Seniorenwohnanlage",
|
|
der dem Gemeinderat im Herbst 1998 ei-
|
|
|
ne komplette Planung für eine
Seniorenwohnanlage mit Kalkulationsgrundlage, Bauplä-
|
|
nen,
Vermarktungskonzept, Indikationskonzept der örtlichen Dienste und Vermarktungs-
|
|
dienste geliefert
hat.
|
|
|
|
Lebendige
Ortsmitte
|
|
Durch die
Aussiedlung der Firma Paul konnte die Gemeinde das zentrale Areal
|
|
erwerben
und dadurch ideale Standortvoraussetzungen schaffern, nicht nur für das
|
|
Wohnen im
Alter und eine Pflegeeinrichtung, sondern auch im Hinblick auf die
|
|
Gesamtüberplanung des 1,2 ha großen Geländes als Begegnungsmöglichkeit |
|
für die
Bevölkerung. |
|
Auf
Empfehlung des "Arbeitskreises Senioren" entschied der Gemeinderat,
dieses
|
|
Projekt nun
mit der "Kur + Reha GmbH" als Träger weiterzuentwickeln. |
|
Der
Arbeitskreis hatte sich in unzähligen Besprechungen und
Ortsbesichtigungen |
|
im
Laufe des Jahres 2005 ein grundlegendes Bild über Chancen, Möglichkeiten
und
|
|
Interessen
gemacht, welche sich in der Zusammenarbeit mit den infrage |
|
kommenden
Betriebsträgern bieten.
|
|
Die
Verhandlungen über die Ausgestaltung den Kooperation stehen jetzt an. |
|
|
|
Grünordnungspläne in der Gemeinde Dürmentingen werden nicht
über teure
Ingenieur-
|
|
büros erstellt, sondern
durch einen örtlichen Verein, der sich dem
Umweltschutz ver-
|
|
schrieben hat,
nämlich dem Arbeitskreis Umwelt eV.
|
|
Dieser ging aus einer Biotopmaßnahme
der eigenen Initiative des größten Arbeitgebers
|
|
am Ort, der Firma Paul,
hervor, hat jetzt 68 Mitglieder, einen gesunden Kassenstand,
|
|
Vereinsräume,
eigene Geräte zum Bewirtschaften größerer Biotopflächen und vor allem
|
|
eine
aktive Jugendarbeit, die das Thema Umweltschutz gerade bei Kindern und
Jugend-
|
|
lichen sehr positiv vorantreibt.
|
|
|
|
Fruchtbares Feld war
gegeben!
|
|
|
|
Die Gemeinde Dürmentingen zeichnet
sich einerseits durch ihre Gewerbestärke (1200
|
|
Arbeitsplätze) und
andererseits durch ein überdurchschnittliches Vereinsengagement
|
|
aus. Am
Ort gibt es 42 Vereine und Gruppierungen, die das Gemeindeleben sehr ab-
|
|
wechslungsreich und positiv mitgestalten. Waren die Initiativen früher
darauf gerichtet,
|
|
dass die Einzelinteressen berücksichtigt wurden, so
gehen die Zielrichtungen heute
|
|
mehr dahin, dass man untereinander
Synergiestrukturen schafft, Themen miteinander
|
|
bearbeitet, und vor allen
Dingen Verbesserungen für die Gesamtgemeinde bewirkt. Die-
|
|
sem regen
Vereinsengagement ist es zu verdanken, dass die Projekte mitgetragen,
|
|
teilweise auf Vereinsebene inszeniert
werden und damit viele
Verbesserungen für die
|
|
Gemeinde erreicht werden können.
|
|
In rund 120
Projekten von der Pflanzaktion bis zur mitverantwortlichen Planung und
|
|
Herstellung von Dorfgemeinschaftshäusern in den Teilorten haben die
Dürmentinger
|
|
bewiesen, dass ihnen etwas an ihrer Gemeinde liegt und sie
bereit sind, sich dafür ein-
|
|
zubringen.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Ein besonderes Highlight
stellen die
|
|
Dorfgemeinschaftshäuser in Heudorf und
|
|
Hailtingen dar. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
In Hailtingen hatte der Musikverein keine adäquate Unterkunft, die
Landjugend hatte sich
|
|
mitgliedsmäßig dezimiert und die Feuerwehr war nur
notdürftig im Rathaus unterge-
|
|
bracht. Zusammen mit dem Ortschaftsrat,
der Verwaltung und einem sehr offenen Archi-
|
|
tekten machte man sich an die
Überlegung zur Schaffung von Vereinsräumen. Es wurde
|
|
eine Projektgruppe,
bestehend aus dem Ortschaftsrat, den Vereinsvorständen, dem Ar-
|
|
chitekten
und dem Bürgermeister gebildet. Ein Raumprogramm wurde erarbeitet und
|
|
dann
nach Umsetzungsmöglichkeiten gesucht. Man kam dabei auf den nicht mehr ge-
|
|
nutzten Farrenstall und die alte Molkerei direkt beim Bräuhaus und
Rathaus und konnte
|
|
sich so mit der Planvorstellung eines neuen
Ortsmittelpunktes recht schnell anfreunden.
|
|
|
|
Die Pläne wurden eng
abgestimmt und ein Kostenaufwand von rund 1,4 Millionen DM bei
|
|
Fremdvergabe ermittelt. Daraufhin erklärten sich die Vereine bereit, 1.500
Arbeitsstunden
|
|
als Eigenleistung einzubringen. Der Gemeinderat befasste
sich daraufhin mit den von der
|
|
Projektgruppe vorgeschlagenen
Planvorstellungen und akzeptierte diese dann auch bei
|
|
der Billigung des
Baugesuches.
|
|
Nachdem man bei der Innenausstattung Möblierung und Küche
gestrichen hatte, gab der
|
|
Gemeinderat der Projektgruppe durch einen
Beschluss einen Kostenrahmen von 850.000
|
|
DM zur eigenständigen Verwaltung
frei. Dabei war es Aufgabe des Bürgermeisters, dafür
|
|
Sorge zu tragen, dass
laufend die Kosten kontrolliert wurden und keine Überschreitung
|
|
stattfand.
|
|
Dies konnte dann nach Abschluss der Arbeiten auch realisiert
werden. Bei 5.800 Eigen-
|
|
leistungsstunden der drei Vereine Musik, Feuerwehr
und Landjugend rechnete man das
|
|
Projekt inklusive drei
Küchenausstattungen, voller Möblierung und der nicht vorgesehe-
|
|
nen
Außenanlagen mit 839.000,00 DM ab.
|
|
Darüber hinaus waren durch die
Einsparungsvorschläge, die sehr vielfältig eingebracht
|
|
wurden, weitere
Leistungen zur Umsetzung möglich, die nicht vorgesehen waren, insbe-
|
|
sondere
konnte die Landjugend das Dachgeschoss so weit ausbauen, dass es auch mit-
|
|
genutzt werden kann. Jetzt prägen die schönen Gebäude die Ortsmitte von
Hailtingen
|
|
und stehen darüber hinaus der Bürgerschaft zur Nutzung zur
Verfügung.
|
|
Bei der Projektarbeit wurden durch Einsparungsvorschläge und
Flexibilität in der Ausfüh-
|
|
rung jeweils in
den Gewerken manche Dinge selbst angepackt. Viele Mitstreiter in Hailtin-
|
|
gen brachten
darüber hinaus ihre guten Beziehungen und Kontakte zu Firmen und Bau-
|
|
stofflieferanten
ein, was zusätzlich Einsparungen ergaben. Besonders erfreulich ist, dass
|
|
man in Hailtingen
immer an das Ganze denkt. So wurde eine variabel einsetzbare Spül-
|
|
maschine erworben,
die zwischenzeitlich bei Festen in der Gesamtgemeinde bei vielen
|
|
Vereinen
eingesetzt wird.
|
|
Bei der
Strukturierung der Projektarbeit kam es dem Bürgermeister und den Bürgern
zu-
|
|
gute, dass man
die Ansätze des Projektmanagements angewandt hat. So wurde sehr
|
|
stringent die
Zeitplanung und die Kostensicherheit durch regelmäßige Abstimmungen
|
|
der
Beteiligten gewährleistet. Dem Gemeinderat konnte so sowohl von der
zeitlichen
|
|
Achse wie von der
Kostenachse her grünes Licht signalisiert werden.
|
|
|
|
Rolle des
Gemeinderats
|
|
|
|
Der Gemeinderat von Dürmentingen hat
|
|
die Potentiale des
Bürgerschaftlichen
|
|
Engagements erkannt und diese bisher
|
|
alle gefördert. In Dürmentingen
sind bis-
|
|
her alle Initiativen durch den
Gemeinde-
|
|
rat aktiv betrieben worden. Dies
sieht in
|
|
der Regel so aus, dass die Gemeinde
|
|
Informations- und Planungsleistungen
|
|
bereitstellt, Fachleute
bezahlt die zu Er-
|
|
örterungen zugezogen werden,
Bürger-
|
|
innen und Bürger fortbildet im
Rahmen
|
|
des Netzwerkes des
Sozialministeriums
|
|
Baden-Württemberg. So haben
verschie-
|
|
dene Gruppen zwischenzeitlich ausge-
|
|
bildete Moderatoren,
die in der Team-
|
|
arbeit fit sind und sich ergebnisorientiert
|
|
einbringen.
|
|
|
|
|
Ein
weiterer wesentlicher Punkt war, dass der Gemeinderat jeweils die
Sicherheit für die
|
|
Gruppen dergestalt übernommen hat, dass er Mittel
bereitgestellt und diese auch in der
|
|
Umsetzung mit Freiräumen ausgestaltet
hat.
|
|
Der Gemeinderat hat sich weiterhin durch die neuen Vorgaben in der
Hauptsatzung, in
|
|
der das Bürgerschaftliche Engagement festgeschriebene ist
auch verpflichtet, künftig
|
|
Projekte weiter mitzubetreiben, sich als
Gemeinderat vom Rollenverständnis her auf die
|
|
Kernaufgaben festzulegen und
bei den Projekten möglichst viel Freiheiten einzuräumen.
|
|
So wurde in der
Neufassung der Hauptsatzung der Gemeinde Dürmentingen am 2. Au-
|
|
gust 1999
auch ein sogenanntes "BE-Kontraktpapier" beschlossen. Dabei werden bei
|
|
künftigen Projekten die Ziele, Kosten, Zeitrahmen, der personelle
sachliche Aufwand und
|
|
die Verpflichtung zur Berichterstattung im
Gemeinderat fixiert. Man will dadurch eine wei-
|
|
tere Verstetigung des
Dürmentinger Prozesses erreichen.
|
|
|