Dürmentingen

 
Dürmentingen
     Die Gemeinde hat auf ein in einem alten Siegel entdecktes Wappen zurückgegriffen,
     welches angeblich von der waldburigschen Verwaltung geführt worden ist. Obwohl die
     Gemeinde nicht die waldburgischen Farben annahm, sollen die Löwen auf die engen
     historischen Beziehungen der meisten Ortsteile zu den Truchsessen von Waldburg
     hinweisen.
     Die Löwen finden sich auf dem Wappen wie folgt wieder: im oberen Teil des Wappens
     in grün ein stehender (heraldisch) linksgewendeter goldener Löwe, unten in Gold ein
     stehen der rechtsgewendeter Löwe. Unsere Flagge zeigt die Grundfarben Grün und
     Gelb.
     Dürmentingen (569 m über NN) liegt am Fuße des Bussens, das Wahrzeichen und auch
     der heilige Berg Oberschwabens. Von Westen bis Südosten wird es umschlossen von
     einem breiten Waldgürtel. Der Kern befindet sich in einer Talmulde, die sich nördlich
     zum Donautal hin öffnet. Durch den Ort fließt die Kanzach, die aus dem Federsee bei
     Bad Buchau entspringt und in die Donau bei Riedlingen - Daugendorf mündet.
     Verkehrsverbindungen bestehen von Dürmentingen aus in Richtung Riedlingen bzw.
     Reutlingen - Stuttgart, in Richtung Bad Buchau und in Richtung Biberach durch
     öffentliche Buslinien.
     Der Ort wird seit dem 9. Jahrhundert als Vogtei erwähnt. Im 10. Jahrhundert taucht
     erstmals die Bezeichnung Tiermuntinga auf. Bereits im 13. Jh. umfasste die damalige
     Pfarrei Dürmentingen mehrere Orte wie Bischmannshausen, Göffingen und Seelenhof.
     Aus der Überlieferung erfahren wir, dass die dem Kloster Reichenau geschenkte Pfarr-
     kirche um die Zeit 1273 wieder zurückgegeben worden war und vermutlich wieder unter
     weltlicher Herrschaft stand. Im 15. und 16. Jahrhundert war Dürmentingen der Herr-
     schaftssitz der Truchsessen. König Rudolf aus dem Hause Habsburg ging im Jahre
     1273 nach seiner Wahl daran, die neu gewonnene Hausmacht auszubauen. So erwarb
     er von den Grafen Veringen ein Gut in Dürmentingen. Um 1306 übten die Habsburger
     in Dürmentingen Zwang und Bann aus, hielten Gericht über Dieb und Frevel, erhoben
     Steuern und hatten das Vogtrecht über den noch dem Kloster Reichenau in Dürmen-
     tingen verbliebenen Besitz. Im 14. Jh. haben die Habsburger ihre Erwerbungen ver-
     pfändet und verkauft. Auf diese Weise gelangte die Ortsherrschaft Dürmentingen im
     Jahre 1452 in die Hände des Adelsgeschlechts der Truchsessen. Seit 1552 hatte
     Truchsess Karl seinen Sitz in Dürmentingen. Er verwendete den alten Pfarrhof, von
     dem wir nur nicht wissen, wo er sich befand, zur Erweiterung seines Schlosses. Auch
     das Wasser zu Dürmentingen war seit 1553 truchsessisch. Der Besitz der Truchsessen
     wurde von den Habsburgern lange Zeit angefochten. Denn diese hielten daran fest,
     dass es nur eine Pfandschaft und kein Eigentum der Truchsessen sei.
     Es war bereits 1585 eine Schule in Dürmentingen. Im frühen 16. Jahrhundert gab es
     meist erst in Städten wie Riedlingen und Buchau Schulen.
     Die Not und Härte des 30jährigen Krieges (1618 - 1648) hat auch Dürmentingen schwer
     getroffen. Bisher war Dürmentingen eine aufstrebende Gemeinde, gefördert durch den
     Herrschaftssitz der Truchsessen. Die Dürmentinger Bauern hatten sogar eine "Bad-
     stube" im Dorf, deren Besuch zu ihren regelmäßigen Gepflogenheiten gehörte. Nach
     dem Bad schloss sich dann für Männer und Frauen ein "Weintrunk" im Wirtshaus an.
     Die Entwicklung des 30jährigen Krieges war auch die Ursache für das Ende der fried-
     lichen Entwicklung des Herrschaftssitzes Dürmentingen. Herrschaft und Volk wurden
     in gleicher Weise hart getroffen. Am 1. Oktober 1635 klagt der Truchsess Wilhelm
     Heinrich über das Aussterben seiner Dörfer wie Dürmentingen, Heudorf und Hailtingen
     durch Hunger, Krieg und Seuche, wo nur noch 5 bis 6 Mann am Leben seien. Aus die-
     ser Zeit stammt auch das "Armenhaus", früher nannte man es auch "Leprosen-" oder
     "Gutleutehaus", von der Siedlung etwas abgelegen. An dessen Garten in der Nähe einer
     alten Linde stehen zwei Kreuzsteine, die auf eine ehemalige Richtstätte hinweisen
     sollen. Das frühere Amtshaus war im späteren "Gasthaus zum Löwen". Die Gaststube
     war ein durch Schranken geteiltes Gerichtslokal.
     In welche Verwirrung diese Not unserer Vorfahren damals hineingezogen hat, ermes-
     sen wir aus der Überlieferung, dass in Dürmentingen 1655 und noch 1747 Hexenver-
     brennungen stattgefunden haben. Erst die Zeit nach dem 30jährigen Krieg brachte der
     Gemeinde wieder einen langsamen Aufstieg. Nach schriftlichen Angaben war 1693 die
     Bevölkerung wieder auf 400 angestiegen.
     1786 fiel Dürmentingen an das Haus Thurn und Taxis, 1806 an Württemberg. Im 19.Jh.
     trat an die Stelle der adligen Herrschaften in Dürmentingen das Streben nach einer
     bürgerlichen Selbstverwaltung. 1810 wurde der württembergische Teil von Burgau
     nach Dürmentingen eingemeindet. Um die Wende des 20. Jh. zeigt sich eine erneute
     Zunahme der Bevölkerung, die wie in früherer Zeit die wichtigste Erwerbsquelle in der
     Landwirtschaft fand.
     Der erste Ansatz einer beginnenden Industrie bietet keine Überraschung: Die Wasser-
     kraft der Kanzach wurde von den beiden Mühlen genutzt, davon eine mit Elektrizitäts-
     werk, welches die Orte Dürmentingen und Heudorf mit Licht und Kraft versorgte; diese
     bildeten so mit ihrer eigenen Stromversorgung die ersten Industriebetriebe des Ortes.
     Um 1920 gab es in Dürmentingen auch zwei Gasthäuser und vier Schankwirtschaften,
     drei Branntweinbrennereien und sechs Kramläden.
Pfarrkirche St. Johannes Evangelist
Stammt in Teilen von einer spätgotischen Anlage (Chor
und Turm), ein Bereich des Schiffes wurde 1806 abge-
tragen und in klassizistischem Baustil erneuert und ver-
größert. 1962 wurde die Kirche in westlicher Richtung
erweitert. Der Turm ist ein Viereckbau, darauf ein acht-
eckiger Aufsatz mit Nischengliederung und eingezogener
Haube. Gekröpfte Rundbogenfenster in Schiff und Chor,
westlich ein großes buntes Fenster, 1962 von Wilhelm
Geyer, Ulm, geschaffen. Holzbildwerke des 15. und 18.
Jahrhunderts sind noch erhalten, Holzfiguren des Hl.
Petrus und Johannes, beide 1500, stammen aus der
Lorettokapelle.

Die Lorettokapelle Dürmentingen

1668 von den Truchsessen erbaut, bildete die Kapelle zu-
sammen mit dem heute stark veränderten Mesnerhaus 
ursprünglich eine Eremitage, die bis 1756 bewohnt war.
Hoher Rechteckbau mit stark profiliertem Gebälk, Sattel-
dach und sechseckigem zwiebelgekröntem Dachreiter.
Das Portal ist aus der Längswand hervortretend und
durch Giebel und Pilaster betont. Innenraum tonnen-
gewölbt, schöne Ausmalung als gefügter Ziegelbau.
Ausstattung und Bilderschmuck 17. - 20. Jahrhundert
(u.a. Epitaphgemälde aus der Pfarrkirche).
Das Armenhaus
Heute in Privatbesitz, vermutlich aus der Zeit des
30jährigen Krieges. Das ehemalige Leprosenhaus steht
in einiger Entfernung vom Dorf an der alten Straße nach
Heudorf. An dessen Garten an einer alten Linde stehen 2
Kreuzsteine, die auf eine ehemalige Richtstätte hin-
deuten, die sich an diesem Platz befunden haben soll.
Das Amtshaus
Das frühere Amtshaus war im ehemaligen Gasthaus
"Löwen". Die Gaststube war ein durch Schranken 
geteiltes Gerichtslokal.
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letzte Änderung am  18. Februar 2007 - webmaster