Gemeinde Dürmentingen

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Wissenswertes und Geschichtliches

Die Gemeinde hat auf ein in einem alten Siegel entdecktes Wappen zurückgegriffen, welches angeblich von der waldburgischen Verwaltung geführt wurde.  

Obwohl die Gemeinde nicht die waldburgischen Farben annahm, sollen die Löwen auf die engen historischen Beziehungen der meisten Ortsteile zu den Truchsessen von Waldburg hinweisen.

Die Löwen finden sich auf dem Wappen wie folgt wieder: im oberen Teil des Wappens in grün ein stehender (heraldisch) linksgewendeter goldener Löwe, unten in Gold ein stehen der rechtsgewendeter Löwe. Unsere Flagge zeigt die Grundfarben Grün und Gelb.

Dürmentingen (569 m über NN) liegt am Fuße des Bussens, das Wahrzeichen und auch der heilige Berg Oberschwabens. Von Westen bis Südosten wird es umschlossen von einem breiten Waldgürtel. Der Kern befindet sich in einer Talmulde, die sich nördlich zum Donautal hin öffnet. Durch den Ort fließt die Kanzach, die aus dem Federsee bei Bad Buchau entspringt und in die Donau bei Riedlingen - Daugendorf mündet.

Verkehrsverbindungen bestehen von Dürmentingen aus in Richtung Riedlingen bzw. Reutlingen - Stuttgart, in Richtung Bad Buchau und in Richtung Biberach durch öffentliche Buslinien.

Die bisherige Erkenntnis, dass die von Kaiser Karl dem Großen ausgestellte Reichenauer Urkunde von 811 (wie die meisten frühen Reichenauer Urkunden) mit der Erwähnung von „Tirmentingen“ gültig sei, muss nach neuesten Forschungen als Fälschung betrachtet werden.

Als sichere Erstnennung wird „Tiermuntinga“ in einem von Kaiser Otto dem Großen bestätigten Gütertausch zwischen dem Bischof von Chur und dem Kloster Schwarzenbach vom 17. Mai 961. Diese Nennung ist im Württembergischen Urkundenbuch, hg. v. Königlichen Staatsarchiv in Stuttgart, Bd. I, ca. 700-1137. Stuttgart 1849, Nachdruck Aalen 1972, S. 215f.

Bereits im 13. Jh. umfasste die damalige Pfarrei Dürmentingen mehrere Orte wie Bischmannshausen, Göffingen und Seelenhof. Aus der Überlieferung erfahren wir, dass die dem Kloster Reichenau geschenkte Pfarrkirche um die Zeit 1273 wieder zurückgegeben worden war und vermutlich wieder unter weltlicher Herrschaft stand. Im 15. und 16. Jahrhundert war Dürmentingen der Herrschaftssitz der Truchsessen. König Rudolf aus dem Hause Habsburg ging im Jahre 1273 nach seiner Wahl daran, die neu gewonnene Hausmacht auszubauen. So erwarb er von den Grafen Veringen ein Gut in Dürmentingen.

Um 1306 übten die Habsburger in Dürmentingen Zwang und Bann aus, hielten Gericht über Dieb und Frevel, erhoben Steuern und hatten das Vogtrecht über den noch dem Kloster Reichenau in Dürmentingen verbliebenen Besitz. Im 14. Jh. haben die Habsburger ihre Erwerbungen verpfändet und verkauft. Auf diese Weise gelangte die Ortsherrschaft Dürmentingen im Jahre 1452 in die Hände des Adelsgeschlechts der Truchsessen. Seit 1552 hatte Truchsess Karl seinen Sitz in Dürmentingen. Er verwendete den alten Pfarrhof, von dem wir nur nicht wissen, wo er sich befand, zur Erweiterung seines Schlosses. Auch das Wasser zu Dürmentingen war seit 1553 truchsessisch. Der Besitz der Truchsessen wurde von den Habsburgern lange Zeit angefochten. Denn diese hielten daran fest, dass es nur eine Pfandschaft und kein Eigentum der Truchsessen sei.

Renlinsche Karte 1589
Renlinsche Karte 1589

Es war bereits 1585 eine Schule in Dürmentingen. Im frühen 16. Jahrhundert gab es meist erst in Städten wie Riedlingen und Buchau Schulen.

Die Not und Härte des 30jährigen Krieges (1618 - 1648) hat auch Dürmentingen schwer getroffen. Bisher war Dürmentingen eine aufstrebende Gemeinde, gefördert durch den Herrschaftssitz der Truchsessen. Die Dürmentinger Bauern hatten sogar eine "Badstube" im Dorf, deren Besuch zu ihren regelmäßigen Gepflogenheiten gehörte. Nach dem Bad schloss sich dann für Männer und Frauen ein "Weintrunk" im Wirtshaus an.

Die Entwicklung des 30jährigen Krieges war auch die Ursache für das Ende der friedlichen Entwicklung des Herrschaftssitzes Dürmentingen. Herrschaft und Volk wurden in gleicher Weise hart getroffen. Am 1. Oktober 1635 klagt der Truchsess Wilhelm Heinrich über das Aussterben seiner Dörfer wie Dürmentingen, Heudorf und Hailtingen durch Hunger, Krieg und Seuche, wo nur noch 5 bis 6 Mann am Leben seien.
Aus dieser Zeit stammt auch das "Armenhaus", früher nannte man es auch "Leprosen-" oder "Gutleutehaus", von der Siedlung etwas abgelegen. An dessen Garten in der Nähe einer alten Linde stehen zwei Kreuzsteine, die auf eine ehemalige Richtstätte hinweisen sollen.

"Löwen" um 1954
"Löwen" um 1954

Das frühere Amtshaus war im späteren "Gasthaus zum Löwen". Die Gaststube war ein durch Schranken geteiltes Gerichtslokal.

In welche Verwirrung diese Not unserer Vorfahren damals hineingezogen hat, ermessen wir aus der Überlieferung, dass in Dürmentingen 1655 und noch 1747 Hexenverbrennungen stattgefunden haben.

Erst die Zeit nach dem 30jährigen Krieg brachte der Gemeinde wieder einen langsamen Aufstieg. Nach schriftlichen Angaben war 1693 die Bevölkerung wieder auf 400 angestiegen. 

1786 fiel Dürmentingen an das Haus Thurn und Taxis, 1806 an Württemberg. Im 19.Jh. trat an die Stelle der adligen Herrschaften in Dürmentingen das Streben nach einer bürgerlichen Selbstverwaltung. 1810 wurde der württembergische Teil von Burgau nach Dürmentingen eingemeindet. Um die Wende des 20. Jh. zeigt sich eine erneute Zunahme der Bevölkerung, die wie in früherer Zeit die wichtigste Erwerbsquelle in der Landwirtschaft fand.

Der erste Ansatz einer beginnenden Industrie bietet keine Überraschung: Die Wasserkraft der Kanzach wurde von den beiden Mühlen genutzt, davon eine mit Elektrizitätswerk, welches die Orte Dürmentingen und Heudorf mit Licht und Kraft versorgte; diese bildeten so mit ihrer eigenen Stromversorgung die ersten Industriebetriebe des Ortes. Um 1920 gab es in Dürmentingen auch zwei Gasthäuser und vier Schankwirtschaften, drei Branntweinbrennereien und sechs Kramläden.

Bahnhof Dürmentingen
Bahnhof Dürmentingen
Brauerei und Schloss vor 1914
Brauerei und Schloss vor 1914
Fasnet im Geiger
Fasnet im Geiger
Feldpostkarte Bahnbau
Feldpostkarte Bahnbau
Gasthaus Krone
Gasthaus Krone
Gemeinderat Schule
Gemeinderat Schule
Glombiger Donnerstag 1962
Glombiger Donnerstag 1962
Hochwasser 1926
Hochwasser 1926
Letzte Bähnle-Fahrt
Letzte Bähnle-Fahrt
Luftaufnahme Stammstraße
Luftaufnahme Stammstraße
Luftbild Postkarte mit Bahnlinie
Luftbild Postkarte mit Bahnlinie
Luftbild Postkarte
Luftbild Postkarte
Müttergenesungsheim
Müttergenesungsheim
Posthausschild 1819
Posthausschild 1819
Postkarte
Postkarte
Postkarte
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Postkutsche
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Rathaus nach Brand
Rathaus nach Brand
Rathaus neu aufgebaut nach Brand
Rathaus neu aufgebaut nach Brand

Weitere Informationen

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Das Wort "Wappen" stellt die niederdeutsche Sprachform des Wortes "Waffen" dar. Es tauchte erstmals im 12. Jahrhundert in der speziellen Bedeutung von "Waffenzeichen" auf. Die ersten Wappen sind Zeichen mit Fernwirkung, die auf Schild, Helmen, Rüstungen, farbigen Bannern und Pferdedecken angebracht wurden.

Als umfassende Kulturerscheinung verbreitete sich das Wappenwesen sehr schnell über die Kreise des Adels hinaus, und schon im 15. Jahrhundert lassen sich sehr viele bürgerliche Wappen nachweisen.

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